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Innenhof mit Glasdach, Geschäften im Erdgeschoss und bemalten Wänden mit Szenen und Palmen.
März 2026

Leipzigs Passagen, Gewölbe und Durchgänge

Am Montag, den 30. März 2026, führte die Veranstaltung des Medienklub Leipzig in die Innenstadt – genauer gesagt zu interessanten Leipziger Passagen, Höfen und Durchgängen. Unter dem Titel „Interessante Leipziger Passagen, Teil 1“ machten sich 25 Mitglieder auf den Weg, um vertraute Orte aus einer neuen Perspektive kennenzulernen.
Die Führung übernahm kurzfristig Hansjörg, der die Gruppe trotz regnerischem, windigem und kaltem „Aprilwetter“ sicher und kenntnisreich durch die Stadt führte. Schon diese Rahmenbedingungen machten deutlich: Wer an diesem Nachmittag dabei war, brachte nicht nur Interesse an Leipziger Stadtgeschichte mit, sondern auch eine gute Portion Disziplin und wetterfeste Neugier.
Treffpunkt war der Mendebrunnen. Von dort aus begann ein Rundgang, der zeigte, wie eng in Leipzig Handel, Musik, Messegeschichte, Architektur, Kultur und Alltagsleben miteinander verbunden sind.

Auftakt an der Universität Leipzig

Zu Beginn führte der Weg durch die Universität Leipzig. Sie gehört zu den prägenden Einrichtungen der Stadt und steht für eine lange akademische Tradition. In der Führung wurde daran erinnert, dass die Universität mit ihrer Ausbildung und Forschung zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht hat – darunter spätere Nobelpreisträger wie Wilhelm Ostwald, Werner Heisenberg und Gustav Hertz sowie auch die spätere Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Damit begann die Tour an einem Ort, der Leipzigs internationale Bedeutung in Wissenschaft und Bildung sichtbar macht. Zugleich war es ein guter Einstieg in eine Führung, bei der es immer wieder darum ging, bekannte Gebäude nicht nur als Fassaden zu betrachten, sondern ihre Geschichte und frühere Nutzung mitzudenken.

Städtisches Kaufhaus: Handel, Messe und Musikgeschichte

Weiter ging es in das Städtische Kaufhaus. An diesem Ort spiegeln sich rund 500 Jahre Handels- und Kulturgeschichte wider. Besonders spannend ist die Verbindung zum Gewandhaus: Von 1447 bis 1498 befand sich hier das spätgotische Gewandhaus, das später den Tuchmachern als Messepalast diente.
1781 entstand als Erweiterungsbau der Gewandhaussaal. In diesem Saal spielte das Gewandhausorchester, das unter anderem mit Felix Mendelssohn Bartholdy verbunden ist. Auch Persönlichkeiten wie Mozart, Clara Wieck und Franz Liszt wirkten in diesem historischen Umfeld.
Ein weiteres Detail aus jüngerer Zeit wurde ebenfalls aufgegriffen: 2005 eröffnete Leipzig Tourist Service im Städtischen Kaufhaus die „Straße der Stars“. Dort wurden unter anderem Persönlichkeiten wie Kurt Masur, Katarina Witt und Max Schmeling gewürdigt. Bereits 2009 wurde sie aus technischen Gründen wieder entfernt.
So wurde gleich an einer der ersten Stationen deutlich, wie viel Geschichte sich in einem einzigen Gebäude verdichten kann: Messe, Musik, Handel, Stadtmarketing und Erinnerungskultur lagen hier nah beieinander.

Dresdner Hof und Kupfersaal

Die nächste Station war die Passage des Dresdner Hofs. Auch hier zeigte sich, wie oft Leipziger Gebäude ihre Funktion im Laufe der Zeit verändert haben. 1677 befand sich an dieser Stelle eine Herberge für Mietkutscher. Von 1911 bis 1913 entstand ein Neubau als Messehaus, unter anderem für Pharmazie, Kosmetik und Haushaltswaren.
Später war der Ort über viele Jahrzehnte mit Kultur und Unterhaltung verbunden. Von 1913 bis 1993 befand sich hier das Casino-Kino. Im Kellergeschoss gab es das Naumann-Bräu, in DDR-Zeiten den Kaliningrad-Studentenclub und eine Mensa. Heute ist der Kupfersaal ein bekannter Veranstaltungsort. Seit 1980 sind außerdem die academixer mit diesem Ort verbunden.
Auch ein Seniorenheim war hier von 1997 bis 2021 untergebracht. Inzwischen steht das Gebäude für umfangreiche Sanierung und neue Nutzungsperspektiven. Gerade diese Station machte anschaulich, wie sehr sich Leipzigs Innenstadt immer wieder verändert und wie alte Messe- und Geschäftshäuser neue Aufgaben übernehmen.

Durchgänge, Schröderhaus und Stenzlers Hof

Durch eine Passage parallel zum Neumarkt führte der Weg weiter zum Schröderhaus und von dort zum Stenzlers Hof. Dieses ehemalige Messehaus wurde 1914 erbaut und diente ursprünglich dem Handel mit Papierwaren.
Heute wird das Gebäude als Geschäftshaus genutzt. Besonders bemerkenswert ist dort ein hölzerner Kastenerker mit Butzenscheiben aus dem 17. Jahrhundert, der noch aus einem Vorgängerbau stammt. Solche erhaltenen Details zeigen, dass sich in Leipzig moderne Nutzungen und historische Bauelemente oft unmittelbar begegnen.
Für die Teilnehmenden war genau das ein wiederkehrendes Motiv des Rundgangs: Hinter Durchgängen, Fassaden und Passagen verbergen sich Spuren früherer Zeiten, die im Alltag leicht übersehen werden.

Petersbogen und frühere Juridicum-Passage

Anschließend ging es in den Petersbogen. Er steht an der Stelle der im Krieg zerstörten Juridicum-Passage und ist heute ein moderner innerstädtischer Komplex mit vielen Nutzungen.
Dort befinden sich unter anderem Einzelhandel, der RB-Shop, Tiefgaragen, Multiplexkinos, eine Spielbank, der Jura-Lesesaal und ein Hotel. Der Petersbogen zeigte damit eine andere Seite der Leipziger Passagegeschichte: nicht nur historische Höfe und Messehäuser, sondern auch neuere Architektur, die an frühere Strukturen anknüpft und den Innenstadtbereich weiter verdichtet.

Vom Grönländer zum Hansahaus

Vorbei am Grönländer, einem um 1750 erbauten Bürgerhaus mit altem Holzerker, führte der Weg von der Petersstraße weiter zum Hansahaus. Dieses Geschäftshaus wurde 1904 bis 1906 erbaut und 1943 stark beschädigt.
In der Passage, die zum Specks Hof führt, gab es einen besonderen Moment: Die Gruppe probierte ihre Fertigkeiten an der 1999 errichteten bronzenen Klangschale aus der Ming-Dynastie aus. Solche kleinen Erlebnisse machten den Rundgang lebendig und gaben der Führung neben den vielen historischen Informationen auch eine spielerische Note.
Interessant sind in dieser Passage zudem die Meißner Fliesen, die das historische Ambiente zusätzlich prägen.

Specks Hof: eine der schönsten Passagen Leipzigs

Durch den 1909 geschaffenen Durchbruch gelangte die Gruppe schließlich in den Specks Hof. Mit seinen drei Lichthöfen gehört er zu den besonders eindrucksvollen Passagen der Leipziger Innenstadt und gilt als älteste erhaltene Ladenpassage der Stadt.
Sehr beeindruckend waren die Kupferdecken und die 16 Emaille-Schalen im Lichthof C. Das Messehaus diente ursprünglich der Repräsentation von Schuhen, Lederwaren und Schmuck aus der ganzen Welt.
Specks Hof machte besonders deutlich, warum Leipzig als Passagenstadt so faszinierend ist. Hier verbinden sich Handel, Architektur, Lichtführung, Materialwirkung und repräsentativer Anspruch zu einem Raum, der bis heute lebendig genutzt wird.

Strohsack-Passage, Oelßners Hof und Steibs Hof

Auf der Nikolaistraße wurde die Strohsack-Passage aus Zeitgründen nur von außen erläutert. Auch sie ist mit interessanten Geschichten verbunden. Bereits im 15. Jahrhundert soll sie von Studenten als Schlafstätte vor der Immatrikulation genutzt worden sein.
Heute befinden sich dort unter anderem ein Hutladen, Restaurants, Wohnungen, Büros und eine Tiefgarage. Von 1997 bis 2023 war hier außerdem das Kabarett „Funzel“ ansässig. Ein weiteres besonderes Detail ist die größte Bodenuhr Europas.
Zum Schluss warf die Gruppe noch einen Blick in Oelßners Hof. Das Gebäude aus der Gründerzeit war unter anderem bis zur Wende eine Stätte der Pelzherstellung. Danach führte der Rundgang weiter zu Steibs Hof, einem 1906/07 erbauten Gebäude im Stil von Jugendstil und Historismus, das ebenfalls ein Zentrum des Pelzhandels war.
Gerade diese letzten Stationen rundeten das Thema der Führung gut ab: Leipzigs Passagen, Höfe und Durchgänge erzählen nicht nur von Handel und Messe, sondern auch von Handwerk, Kultur, studentischem Leben, Unterhaltung und ständiger Veränderung.

Ein Rundgang mit vielen Geschichten

Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie viel Leipzig zu bieten hat, wenn man genauer hinschaut. Viele der besuchten Orte liegen mitten in der Innenstadt und sind doch im Alltag oft nur Durchgänge, Abkürzungen oder Einkaufsorte. Durch die Führung wurden daraus Stationen einer vielschichtigen Stadtgeschichte.
Besonders spannend war die Mischung aus bekannten Namen, architektonischen Details und kleinen Anekdoten. Universität, Städtisches Kaufhaus, Dresdner Hof, Petersbogen, Hansahaus, Specks Hof, Strohsack-Passage, Oelßners Hof und Steibs Hof ergaben gemeinsam ein dichtes Bild der Leipziger Innenstadt.
Trotz des ungemütlichen Wetters blieb die Gruppe aufmerksam und interessiert. Die 25 Teilnehmenden folgten der Route mit Ausdauer und Neugier – ein schönes Zeichen dafür, wie groß das Interesse an Leipzigs Geschichte und verborgenen Orten im Medienklub ist.

Gemeinsamer Ausklang in Leos Brasserie

Nach der ausführlichen Tour war die Stärkung mehr als verdient. Der gemeinsame Ausklang führte die Gruppe in Leos Brasserie.
Dort blieb Zeit, die vielen Eindrücke der Führung nachwirken zu lassen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Gerade dieser persönliche Austausch gehört zu den Veranstaltungen des Medienklub Leipzig dazu: Man entdeckt gemeinsam Orte, erfährt Neues und lässt den Abend anschließend in geselliger Runde ausklingen.

Herzlichen Dank

Wir bedanken uns herzlich bei Hansjörg für die kurzfristige Übernahme der Führung, die kenntnisreiche Vorbereitung und die vielen spannenden Details zu Leipzigs Passagen, Höfen und Durchgängen.
Ebenso gilt der Dank allen 25 Teilnehmenden, die dem regnerischen, windigen und kalten Wetter getrotzt und die Tour mit Interesse, Ausdauer und guter Stimmung begleitet haben.
Der erste Teil dieser Passage-Führung hat gezeigt, dass es in Leipzig noch viele Geschichten zu entdecken gibt. Wir freuen uns auf weitere schöne Touren.

Bildergalerie

Im Anschluss an den Beitrag haben wir einige Eindrücke des Rundgangs in einer Bildergalerie zusammengestellt. Sie ergänzt den Rückblick visuell.
Gruppe von Menschen steht zwischen großen Steinstatuen im Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

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