Juni 2026
Rundgang durch Schönefeld
Am Montag, den 29. Juni 2026, führte die Veranstaltung des Medienklub Leipzig nach Schönefeld. Bei einem Rundgang durch Westschönefeld ging es um historische Orte, besondere Bauwerke und Geschichten aus einem Stadtteil, der deutlich mehr zu bieten hat, als man im Alltag oft wahrnimmt.
21 Teilnehmende kamen vor dem Schönefelder Rathaus zusammen, um von dort aus die Tour zu beginnen. Schon der Startpunkt passte gut zum Thema des Nachmittags: Das ehemalige Rathaus der selbstständigen Gemeinde Schönefeld ist ein eindrucksvolles Gebäude mit historischen Stilelementen und einem Inneren, das bei der Besichtigung ebenfalls für Aufmerksamkeit sorgte. Besonders schön war, dass der Ratssaal für einen kurzen Besuch zugänglich gemacht werden konnte.
Schönefeld zwischen Rathaus, Kirche und Schloss
Nach der Innenbesichtigung gab es vor dem Rathaus eine Einführung in die jüngere Geschichte Schönefelds, den Rathausbau, die Kirche, das Schlossareal, die alte Wassermühle und die Entwicklung des Stadtteils. Die heutige Ossietzkystraße, früher die zentrale Dorfstraße von Altschönefeld, macht bis heute sichtbar, dass Schönefeld einmal ein eigenständiger Ort mit dörflicher Struktur war.
Auch das Umfeld des Rathauses zeigte, wie dicht Geschichte in Schönefeld beieinanderliegt. Rathaus, Kirche, Schloss, Kaiserliches Postamt, frühere Dorfhäuser und weitere historische Gebäude bilden ein Ensemble, an dem sich unterschiedliche Zeiten und Baustile ablesen lassen. Dazu gehören Spuren des alten Dorfes ebenso wie Bauten aus der Zeit, in der Schönefeld sich stärker entwickelte und später Teil Leipzigs wurde.
Interessant ist auch, dass Schönefeld vor der Eingemeindung eine eigene Gerichtsbarkeit hatte. Dadurch konnten hier Trauungen vollzogen werden, die in Leipzig nicht ohne Weiteres möglich gewesen wären. So heirateten Clara und Robert Schumann in Schönefeld, weil Claras Vater die Zustimmung verweigerte. Auch andere nicht standesgemäße Trauungen fanden hier statt, darunter die Eheschließung einer Schwester Richard Wagners mit einem Bankier.
Ein weiterer Halt führte in den Bereich der barocken Kirche. Die Kirche selbst konnte leider nicht von innen besichtigt werden, da Pfarrer Taut von der Matthäuskirchgemeinde im Urlaub war. Gerade dadurch blieb aber auch ein schöner Gedanke stehen: Dieser Teil der Tour schreit fast nach einer Wiederholung.
Die Grabpyramide der Familie von Eberstein
Ein besonderer Punkt des Rundgangs war der abgetrennte Teil des ehemaligen Friedhofs mit der Grabpyramide der Familie von Eberstein. Dieses ungewöhnliche Bauwerk gehört zu den markanten Erinnerungsorten in Schönefeld.
Die Pyramide ist eng mit Clara Hedwig von Eberstein verbunden, der letzten Besitzerin des Schlosses Schönefeld. Ihre Geschichte, ihre Reisen und ihr Vermächtnis machen deutlich, wie stark einzelne Persönlichkeiten die Entwicklung eines Ortes prägen können. Gerade solche Details machen Schönefeld spannend: Hinter Mauern, Höfen und alten Gebäuden verbergen sich Geschichten, die man ohne Führung leicht übersieht.
Auch Hinweise auf die Völkerschlacht und die Kämpfe um Schönefeld wurden während des Rundgangs aufgegriffen. So verband die Tour Ortsgeschichte, Architektur und größere historische Zusammenhänge auf anschauliche Weise.
Führung durch das Schlossareal
Im Torhaus des Schönefelder Schlosses traf die Gruppe auf Herrn Eberl vom Verein Schloss Schönefeld e.V. Unter seiner Führung ging es rund anderthalb Stunden durch die Anlage und verschiedene Gebäude des Areals.
Dabei wurde die Geschichte des ehemaligen Rittergutes ebenso erläutert wie die heutige Nutzung des Schlosses und seiner Nebengebäude. Der Rundgang führte durch den Innenhof, in das Schlossgebäude, durch Bereiche der Schule, zu Konferenzräumen und in das Begegnungscafé, das früher einmal zu den Stallanlagen gehörte.
Gerade dieser Wandel war besonders interessant: Aus einem historischen Schloss- und Rittergutsgelände ist heute ein Ort geworden, an dem Bildung, Betreuung, Wohnen, Begegnung und Teilhabe eine wichtige Rolle spielen. Der Verein Schloss Schönefeld e.V. engagiert sich für Menschen mit Behinderung und nutzt das Areal auf eine Weise, die Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet.
Auch die technischen und räumlichen Möglichkeiten wurden sichtbar. Einige Räume sind für Veranstaltungen und Vorträge ausgestattet, das Begegnungscafé öffnet das Areal für Austausch, und die verschiedenen Gebäude zeigen, wie vielfältig das Gelände genutzt wird.
Ein Stadtteil mit vielen Schichten
Der Rundgang endete im Bereich der alten Schmiede. Auch dieser Ort zeigte noch einmal, wie unterschiedlich die heutigen Nutzungen auf dem Schlossareal sind. Dort befinden sich unter anderem Angebote für Kinder sowie Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten.
Nach zweieinhalb Stunden durch einen schwülen Nachmittag war klar: Schönefeld lässt sich nicht in wenigen Sätzen erklären. Der Stadtteil verbindet Dorfgeschichte, Rittergut, Kirche, Rathaus, Spuren der Völkerschlacht, soziale Einrichtungen und heutiges Stadtleben auf engem Raum.
Besonders schön war, dass die Tour nicht nur bekannte Stationen zeigte, sondern auch kleinere Orte und Geschichten sichtbar machte. Dazu passte auch der Hinweis auf das historische Ostschönefeld: Es gibt noch mehr zu entdecken.
Gemeinsamer Ausklang im Casablanca
Nach dem Rundgang kehrten 15 der 21 Teilnehmenden in das Casablanca ein. Das Casablanca ist ein Hotel mit Restaurant, dessen Schwerpunkt auf Fischgerichten liegt. Innen wie außen ist das Haus maritim gestaltet; zusätzlich gehören drei Bowlingbahnen zum Angebot.
Dort klang der Nachmittag in geselliger Runde bei kühlen Getränken aus. Der gemeinsame Ausklang gehört zu den Veranstaltungen des Medienklub einfach dazu. Neben der Führung blieb so noch Zeit für Gespräche, Eindrücke und den persönlichen Austausch. Bis etwa 21:30 Uhr saß die Gruppe zusammen. Dass parallel Fußball-WM-Zeit war, sorgte an diesem Abend noch für einen kleinen Gegenwartsbezug, auch wenn der sportliche Ausgang offenbar weniger erfreulich war.
Herzlichen Dank
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Eberl und dem Verein Schloss Schönefeld e.V. für die kenntnisreiche Führung durch das Schlossareal und die spannenden Einblicke in Geschichte und heutige Nutzung des Ortes.
Ebenso gilt unser Dank allen, die diesen Rundgang möglich gemacht und vorbereitet haben. Für den Medienklub Leipzig war es ein interessanter, informativer und sehr lohnender Nachmittag in einem Leipziger Stadtteil, der sicher noch Stoff für weitere Entdeckungen bietet.
Bildergalerie
Im Anschluss an den Beitrag haben wir einige Eindrücke des Rundgangs in einer Bildergalerie zusammengestellt. Sie ergänzt den Rückblick visuell und gibt einen Eindruck davon, wie vielfältig und sehenswert die Tour durch Schönefeld war.